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Titelstory

70 Jahre NRW – ein Grund zum Feiern!

Am 23. August 1946 wurde NRW aus der Taufe gehoben. Es war die Geburt einer starken Marke. Zum runden Geburtstag kam sogar Prinz William zur großen Party nach Düsseldorf.

Bild oben: Auch ein Grund zum Feiern: Düsseldorf ist seit 70 Jahren Landeshauptstadt
70 ist ja heutzu­tage kein Al­ter mehr. 70-Jährige seien heute so ge­sund wie 60-Jährige zwei Jahrzeh­nte zu­vor, schrieb eine große deutsche Zei­tung vor weni­gen Jahren. Dem medizinischen Fortschritt sei Dank! Längst stellen sich jün­gere Deutsche da­rauf ein, min­destens bis zur Vol­len­dung des 70. Leben­s­jahres – dem derzeit viel disku­tierten Ren­tenein­tritt­sal­ter der nicht mehr al­lzu fer­nen Zukunft – zu ar­beit­en. Promi­nente wie Sylvester Stal­lone, Udo Lin­den­berg oder Uschi Ober­mai­er verdeut­lichen, was der Jahr­gang 1946 so alles drauf hat. Auch Ch­er, Howard Car­pen­dale oder Mireille Mathieu zählen zu dies­er Riege. Wer al­so kurz nach Ende des Zweit­en Weltkriegs ge­boren wurde, kann mittler­weile fast noch als Jungspund gel­ten. So auch das Land Nor­drhein-West­falen, das am 23. Au­gust 1946 aus der Taufe ge­hoben wurde.
An die­sem schick­sal­haften Tag beschloss die bri­tische Mil­itär­regierung die Au­flö­sung der Prov­inzen des ehe­ma­li­gen Preußens. Un­ter dem schö­nen Co­de­na­men „Op­er­a­tion Mar­ri­age“ schufen sie aus dem Nor­den der preußischen Rhein­prov­inz mit den Regierungs­bezirken Aachen, Düs­sel­dorf und Köln sowie der preußischen Prov­inz West­falen das Land Nor­drhein-West­falen. Im Jan­uar des Fol­ge­jahres kam auch das Land Lippe hinzu – die Dreit­eilung fin­d­et sich bis heute im Wap­pen mit Rhein, west­fälischem Pferd und lip­pisch­er Rose.

Die Ent­ste­hung Nor­drhein-West­falens

Auch ein Grund zum Feiern: Düsseldorf ist seit 70 Jahren Landeshauptstadt
Auch ein Grund zum Feiern: Düs­sel­dorf ist seit 70 Jahren Lan­de­shaupt­s­tadt

Nach dem ehe­ma­li­gen Ober­präsi­den­ten von West­falen, Ru­dolf Amelunx­en, den die Briten zum er­sten Min­is­ter­präsi­den­ten berie­fen, kam mit Karl Arnold der er­ste frei gewählte Lan­des­vater. Sieben weitere männ­liche Regierungschefs soll­ten fol­gen, darun­ter mit Jo­hannes Rau ein später­er Bun­de­spräsi­dent. Seit 2010 wird NRW von ein­er Frau regiert: Han­nelore Kraft. Aus An­lass des run­den Ge­burt­s­tags ihres Hei­mat­bun­des­lan­des hielt die ge­bürtige Mül­heimerin eine Rede in der Düs­sel­dor­fer Ton­halle, in Gänze nachzule­sen auf der Home­page der Lan­des­regierung. Un­ter den ge­la­de­nen Gästen waren auch Bun­des­tagspräsi­dent Nor­bert Lam­mert, Bun­deskan­z­lerin An­gela Merkel und Prinz Wil­li­am, der Enkel der Queen. Vor 70 Jahren, be­gann Kraft ihre Rede, hät­ten große Teile Düs­sel­dorfs noch in Trüm­mern gele­gen. „Und nicht nur in Düs­sel­dorf sah es so aus. Weite Teile des Lan­des waren ver­wüstet, selbst in klei­nen Städten wie Düren, We­sel oder Pader­born stand so gut wie kein Haus mehr. Und in den Trüm­mern und Rui­nen Mil­lio­nen von Men­schen, viele von ih­nen Flüchtlinge, die kaum das Nötig­ste zum Leben hat­ten. In­fras­truk­tur und In­dus­trie waren eben­falls zer­stört.“ Die Regierungschefin zi­tierte ei­nen bri­tischen Zeitzeu­gen, der das Ruhrge­bi­et als „den größten Schut­thaufen, den die Welt je ge­se­hen hat“, beschrieben habe. „Die Men­schen stan­den vor ein­er unglaublichen, fast un­lös­bar er­schei­nen­den Auf­gabe. Sie mussten ihr Land ph­y­sisch – und nach zwölf Jahren Dik­ta­tur und Ver­nich­tungskrieg – auch mo­ralisch und poli­tisch wied­er auf­bauen. Alle, die das noch selbst miter­lebt haben oder die mit die­sen Erin­nerun­gen ihr­er Fam­i­lien aufgewach­sen sind, wis­sen, wie sch­w­er das war.“

Die Neuerfin­d­ung nach dem Zweit­en Weltkrieg

Der Kölner Dom ist das berühmteste Bauwerk des Bundeslandes
Der Köl­n­er Dom ist das berühmteste Bauw­erk des Bun­des­lan­des


In den Jahrzeh­n­ten da­nach hat sich NRW, das viert­größte und heute bevölkerungs­reich­ste aller 16 Bun­des­län­der, ihr­er Aus­sage nach „quasi neu er­fun­den als Land von Wis­sen­schaft, Forschung und Bil­dung“. An Rhein und Ruhr sei der Struk­tur­wan­del – bei allen Sch­wierigkeit­en – bess­er gelun­gen als in vielen ver­gleich­baren Re­gio­nen der Welt. „Wir haben ge­mein­sam Neues geschaf­fen, das weit in die Zukunft reicht und trägt.“ Zu einem run­den Ge­burt­s­tag dies­er Größenord­nung ge­hören Lobeshym­nen. Und es stimmt ja auch: Nor­drhein-West­falen ist in viel­er­lei Hin­sicht et­was Be­son­deres. Davon zeugt allein schon die nur auf den er­sten Blick ba­nale Tat­sache, dass sich allein für die­s­es Bun­des­land ein Kürzel im all­ge­mei­nen Sprachge­brauch durchge­set­zt hat – ob­wohl Ba­den-Würt­tem­berg die­selbe An­zahl Sil­ben hat. Aber wer sagt schon BW? Oder, um ein Beispiel aus dem ho­hen Nor­den zu neh­men, SH? NRW dage­gen ist zu ein­er starken Marke ge­wor­den, deren Bekan­n­theits­grad durchaus ver­gleich­bar ist mit dem der vielen namhaften Un­terneh­men, die hi­er, an die­sem Wirtschafts­s­tan­dort mit­ten in Eu­ro­pa, zu Hause sind.
Aber wofür ste­ht die Marke NRW? Eine voll­ständige Ant­wort würde Bi­blio­theken füllen. Denn auf den et­was mehr als 34.000 Qua­dratk­ilome­tern fin­d­en sich eine bunte Viel­falt und span­nende Ge­gen­sätze (die bei­den auch bun­desweit bekan­n­testen „An­ti-Paare“ aus Lei­den­schaft dürften Köln/Düs­sel­dorf und Schalke/BVB sein). Zwischen der nördlich­sten NRW-Stadt Rah­den, der südlich­sten Ge­meinde Hel­len­thal, dem ganz tief im West­en gele­ge­nen Self­kant und Höx­ter ganz im Os­ten gibt es eine unüber­schaubare Menge an Geschichte und Geschicht­en, an Brauch­tumsschätzen (sie­he Karne­val und Schützen­fest) und re­gio­nalen Be­son­der­heit­en – nicht zulet­zt auf sprach­lich­er und kuli­narisch­er Ebene. Wer in München mal aus Scherz ei­nen „Halve Hah­n“ bestellt, wird mit an Sicher­heit grenzen­der Wahrschein­lichkeit ein geteiltes Häh­nchen er­hal­ten. Und nicht das ei­gentlich ge­meinte Rog­gen­brötchen („Röggelschen“) mit Käse, das im südlichen Rhein­land zur Brauhaus-Kul­tur ge­hört. Im Ruhr­pott ist man bekan­ntlich stolz auf die Cur­ry­wurst, die der Bochumer Her­bert Gröne­mey­er mit passen­dem Dialekt be­sun­gen hat.

Starke Po­si­tion

Festakt zum 70. NRW-Jubiläum in der Düsseldorfer Tonhalle mit Angela Merkel, Prinz William und 1.300 weiteren Gästen (Foto: Land NRW / M. Hermenau)
Fes­takt zum 70. NRW-Ju­biläum in der Düs­sel­dor­fer Ton­halle mit An­gela Merkel, Prinz Wil­li­am und 1.300 weit­eren Gästen (Fo­to: Land NRW / M. Her­me­nau)

Es ge­hört zu den großen Vorteilen NR­Ws, dass man trotz sein­er beachtlichen Größe ver­gleich­sweise sch­nell von einem Ende zum an­deren ge­langt. Möglich macht das sein fast schon le­g­endäres Au­to­bahn­netz, das – zugegeben­er­maßen – an­fäl­lig ist für kilome­ter­lange Verkehrss­taus. Na­men wie das „Kamen­er Kreuz“ sind nicht von unge­fähr berühmt-berüchtigt. Doch mit ein wenig Glück lassen sich viele berühmte und se­hen­sw­erte Orte an einem einzi­gen Tag besichti­gen. Ob his­torisch­es Rathaus in Mün­ster oder Mu­se­umsinsel Hom­broich in Neuss, ob Wup­per­taler Sch­we­be­bahn oder die his­torische Eisen­bahn „Sch­luf­f“ am Nied­er­rhein – ein Be­such loh­nt sich für Touris­ten aus aller Welt wie für einge­fleischte NR­Wler.
So­gar mit fünf Weltkul­turerbestät­ten kann das Bun­des­land aufwarten: Es sind die Sch­löss­er Au­gus­tus­burg und Falken­lust in Brühl, die Zeche Zol­lverein in Es­sen, das Schloss Cor­vey, der Aach­en­er Dom und – natür­lich – der Köl­n­er Dom. Wer 70 wird, hat allen Grund, eine große Par­ty zu sch­meißen. Be­gan­gen wurde das Dop­pel-Ju­biläum – sch­ließlich hatte auch die Lan­de­shaupt­s­tadt Ge­burt­s­tag – mit einem dre­itägi­gen Bürg­er­fest zum NRW-Tag 2016: Am let­zten Woch­e­nende im Au­gust feierten Bürg­er, In­sti­tu­tio­nen und Vereine aus dem ge­samten „Bin­de­strich-Land“ in der Düs­sel­dor­fer Ci­ty. Die Or­gan­isa­toren zähl­ten rund 600.000 Be­such­er. Bei hoch­som­mer­lichen Tem­per­a­turen er­lebten sie 220 Stun­den Pro­gramm auf 16 Büh­nen, darun­ter die Auftritte der Bands Culcha Can­dela und Jupiter Jones – der passende Sound­track für den Ge­burt­s­tag eines Jungge­bliebe­nen.

Daniel Boss | re­dak­tion@n­rw-ma­n­ag­er.de

Ausgabe 2016